Die Supercars von Pebble Beach

Es ist die exklusivste Auto-Show der Welt. Auf dem Golfplatz von Pebble Beach in Kalifornien treffen sich seit 1950 Autosammler und präsentieren ihre Schmuckstücke. Der Concours d´Elegance, die Versteigerungen und die Auszeichnungen der Oldtimer ziehen ein exklusives und vor allem kaufkräftiges Publikum an. Darum zeigen Autohersteller auf dem Gelände mit Blick auf den Pazifik ihre elektrischen Supercars: Zukunft trifft Vergangenheit. Wenn auch zunächst nur als Designstudie.

Präsentation der Oldtimer in Pebble Beach 2018
Das Gipfeltreffen der vermögenden Oldtimer-Fans findet seit 1950 auf dem kalifornischen Golfplatz Pebble Beach statt

Audi benennt Supercar nach Oldtimer-Treffen

Jay Leno beugt sich in den Audi PB 18 e-tron und bestaunt, wie sich der Fahrersitz langsam wie von links nach rechts schiebt. Der ehemalige Moderator der Late Night Show ist berühmt für seine Oldtimer-Sammlung. In seinem YouTube-Kanal „Jay Leno´s Garage“ geht es vor allem um Verbrenner. Doch die elektrische Mischung aus Audi Aicon und der LeMans-Rennversion R18 e-tron hat es dem „Petrolhead“ angetan. Der Einzelsitz ist in eine Art Wanne montiert, zusammen mit Lenkrad und Pedalen. So kann man den Sportwaren als Links- und Rechtslenker nutzen. Doch viel wichtiger: Auf der Rennstrecke hat der Fahrer die perfekte Gewichtsverteilung, wenn er in der Mitte sitzt.

Audi wirbt mit einer flüssigkeitsgekühlten Festkörperbatterie (95 kWh), die in einer Viertel Stunde wieder aufgeladen werden kann. Ein Ladung reiche für 500 Kilometer (WLTP). Für induktives Laden sei der Sportwagen natürlich vorbereitet. Der Motor vorn und die zwei Motoren im Heck leisten gemeinsam 500 kW. In rund zwei Sekunden ist der Wagen auf 100 km/h. Alles Theorie! Die Leistungsdaten sind bei allen Supercars das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Der 4,53 Meter lange Audi ist eine Designstudie, die Version in Pebble Beach kann keinen Meter allein fahren. Ob wir den PB 18 jemals auf öffentlicher Straße sehen werden, ist ungewiss.

Jay Leno interessiert sich für den Audi PB 18
Jay Leno interessiert sich für den Audi PB 18

Autos für Superhelden

PB 18 steht für Pebble Beach 2018. Auf diesem exklusiven Golfplatz in der Nähe von Carmel by the Sea treffen sich seit 1950 Autoenthusiasten und präsentieren ihre seltenen Sammlerstücke. Die Veranstaltung ist Höhepunkt der Monterey Car Week. Zunächst zeigt Audi seine Designstudie am Freitag beim „The Quail, a Motorsport Gathering“. Es ist ebenfalls ein Golfplatz, der malerisch von Bergen umgeben ist. Hier sind nur 200 Ausstellungstücke und 3.000 Besucher zugelassen. Höhepunkt ist der Concourse d´Elegance am Sonntag auf dem Golfplatz von Pebble Beach. Mit dem Pazifik im Rücken sitzen die Zuschauer auf der Wiese des 18. Lochs auf Picknickdecken und verfolgen die Auszeichnung der Oldtimer. Das älteste Auto ist ein Pope-Hartford Model T von 1910.

Auf einem Rasenstück vor dem Clubhaus hebt sich langsam das Verdeck des Vision EQ Silver Arrows. Nur so kann der Fahrer in die elektrische Version des Silberpfeils einsteigen. Wobei es mehr ein Klettern ist, denn es gibt keine Türen und das Verdeck öffnet sich nicht weit genug. Das 5,30 Meter lange, stromlinienförmige Fahrzeug könnte einem Superhelden aus einer Comic-Verfilmung gehören. Dabei hat es ganz reale Vorlage. Der Designer orientierte sich am W 125 Formel-Rennwagen von 1937. Mit ihm stellt Rudolf Caracciola 1938 auf der A5 zwischen Frankfurt und Darmstadt mit 432,5 km/h einen Geschwindigkeitsweltrekord auf – der immerhin bis November 2017 hielt. „Mit historischen Silberpfeilen war Mercedes-Benz schon vor über 80 Jahren ein Geschwindigkeitspionier – unter anderem dank deren Stromlinienform“, sagt Gorden Wagener, Chief Design Officer der Daimler AG. „Daran knüpft der Vision EQ Silver Arrow an.“ Auch er ist lediglich eine Designstudie, kein ernsthaftes Serienfahrzeug. Hier durfte sich ein Gestalter austoben: Die 168 Speichen pro Rad bestehen aus Aluminium und roségoldfarben lackiert. Die Seitenschweller sind von einem Leuchtband durchzogen, in der Front leuchtet das blaue EQ-Logo.

Daimler: Vision EQ Silver Arrow
Designer Gorden Wagener hat sich beim Vision EQ Silver Arrow an alten Silberpfeilen orientiert

Der Silberpfeil aus Japan

Designer Karim Habib entschied sich ebenfalls für einen silbernen Einsitzer ohne Verdeck. Doch sitzt der Fahrer nicht in der Mitte wie im Silberpfeil sondern auf der linken Seite. Infiniti nennt das Showcar schlicht Prototype 10. Die Luxus-Marke von Nissan liefert keine weiteren technischen Daten zum Fahrzeug. Vermutlich wurden hier Batterie und Elektronik des Nissan Leafs verbaut. Das spricht allerdings für nicht allzu sportliche Fahrwerte.

Prototype 10 von Infiniti
Infiniti, die Luxus-Marke von Nissan, zeigt den Prototype 10

PF 0: Nur ein Foto vom Heck

Besonders exklusiv gestaltetes es Pininfarina in diesem Jahr. Einen Blick auf den Sportwagen PF0 konnte man nur auf Einladung in einer Villa auf dem weitläufigen Gelände werfen. Ein Foto gibt es nur vom Heck. Die breite Öffentlichkeit muss sich noch bis zum Genfer Autosalon 2019 gedulden. Nur so viel ist bekannt: Es werden 150 Exemplare in Handarbeit in Italien gefertigt. Das Hypercar beschleunigt in unter zwei Sekunden von Null auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 400 km/h und eine Batterieladung reicht für bis zu 500 km.

Das Designstudio ist bislang vor allem für die Formgebung von Karosserien bekannt. Mit dem Mutterkonzern Mahindra & Mahindra im Rücken, wird nun ein vollständiges Auto produziert. Der indische Autohersteller sammelt in der Formel E Erfahrung mit Elektrosportwagen. „Es ist ein lang gehegter Traum unseres Gründers Battista Farina, eines Tages komplette Autos unter der Marke Pininfarina auf den Markt zu bringen“, sagt Michael Perschke, CEO von Automobili Pininfarina.

Pininfarina PF0
Pininfarina baut sein eigenes Supercar, will den PF 0 aber erst beim Genfer Autosalon 2019 enthüllen

Neue Bedeutung für den E-Type

Die Hersteller zeigen den Fans alter Autos aber auch elektrische Serienfahrzeuge, die schon bald erhältlich sind. Dazu gehören der Taycan von Porsche, der Concept Two der kroatischen Manufaktur Rimac sowie der Jaguar E-Type. Die Briten hatten im vergangenen Jahr einen umgerüsteten Sportwagen als elektrisches Showcar in London vorgestellt. Das kam so gut an, dass der E-Type nun auch mit Elektromotor und Batterie zu haben ist. Damit erfüllt die Typenbezeichnung der Stilikone endlich ihre korrekte Bedeutung.

Jaguars E-Type wird elektrisch
Eddy Cue (ganz rechts) interessiert sich für den elektrischen Jaguar E-Type. Der Auto-Fan hat einen Aufsichtsratsposten bei Ferrari und ist im Hauptjob Software-Vorstand bei Apple.

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzelle, Heimspeicherbatterie, Schnellladen, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Genau darum dreht es sich in meinen Videos. Der Journalist ist stets auf der Suche nach den besten Ideen für Mobilität von Morgen.

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