iNext: Die BMW-Vision von Morgen

Shy Technology ist ein lustiger Begriff für das, was Olivier Pitrat da präsentiert. Der Projektmanager BMW Interface-Design zeigt in der Fahrzeug-Studie iNext die „schüchterne Technologie“. Dazu zeichnet er mit seinem Finger eine Note auf die Rückbank des Autos. In dem flauschigen Stoff leuchtet das Notensymbol auf und die Musikwiedergabe startet. Er zeichnet einen Kreis, den mit zwei Fingern größer zieht. Die Musik wird lauter. So etwas würde ich nicht „schüchterne Technologie“ nennen. Es ist eher versteckte oder unsichtbare Technologie. Beeindruckend ist sie in jedem Fall.

„Wir wollen zukünftig mit weniger Schaltern und Knöpfen im Auto auskommen“

Olivier Pitrat, BMW Projektmanager Interface Design

Shy Tech – versteckte Technologie

Wer heute häufig unterschiedliche Autos nutzt, weil er auf Miet- oder Car-Sharing-Angebote setzt, sieht sich einem Durcheinander von Knöpfen und Menüführungen gegenüber. „Wir wollen zukünftig mit weniger Schaltern und Knöpfen im Auto auskommen“, sagt Pitrat. Aber auch im iNext kann man nicht einfach irgendwo auf der Rückbank oder dem mit Holzimitat bezogenen „Bügelbrett“ zwischen den Vordersitzen Symbole wischen. Man muss schon wissen, wo genau sich die „Shy Technology“ versteckt. Mit den gelernten Zoom- und Pinch-Gesten vom Smartphone steuert man dann das Infotainment-System im Auto. Den Nutzern bleibt aber die Wahl. Neben Gesten kann man auch per Stimme und Touchscreens Funktionen und Inhalte auswählen.

Die Mittelkonsole im BMW iNext erinnert an ein Bügelbrett

Spannend ist auch die Idee des Beamers im Dachhimmel des Fahrzeugs. Sein Lichtstrahl landet auf den weißen Seiten eines Buches oder auf der Rückseite der Vordersitze. Die Insassen im Fonds können je nach Inhalten – Arbeit oder Unterhaltung – eine Projektionsfläche wählen.

iNext: Beamer projiziert Inhalte auf weiße Seiten
Ein Beamer im Dach projiziert im BMW iNext Inhalte auf weiße Seiten eines Buches

Wenn das Auto schrittweise immer autonomer fährt, kann der Fahrer seine Zeit anders nutzen. Wie das aussehen kann, zeigt BMW in einer Virtual Reality Anwendung. Die Frontscheibe ermöglicht Augmented Reality Funktionen. Im Dialog mit einem digitalen Assistenten ruft der Nutzer seine Termine, Navigation, Online-Shopping oder Videotelefonate auf. Das Auto wird damit zum zweiten Arbeitszimmer – oder zum zweiten Wohnzimmer, je nach Laune.

Zweites Wohn- oder Arbeitszimmer

Auf alle Fälle soll es zu „My favorite place“ werden. „Hier soll man sich wohl fühlen, wir haben bewusst den Look eines Boutique Hotels gewählt“, sagt Claudia Geidobler, Leiterin BMW i Color & Trim Design bei der Vorführung. Der iNext öffnet einladend seine beiden Türen. Ohne die B-Säule entsteht so viel Raum zum Einsteigen. Der vordere Bereich wirkt mit dem Holz auf dem Boden und der Armlehne („Bügelbrett“) sowie den zwei Touchscreens eher etwas nüchtern und Büro-artig. Die Seitenverkleidungen schimmern in einem hellen Lachsrosé. Das Lenkrad und die Pedale fahren ein, wenn man sie nicht benötigt, und durch das Glasdach fällt viel Tageslicht.

BMW iNext Vision
Videokonferenz im BMW iNext

Der Stoff der Rückbank wurde speziell für den iNext entworfen. Er wirkt flauschig und seine Farbe wechselt von Grün zu Blau zu Türkis. Somit hat der Fonds eher den Charakter eines Wohnzimmers. In der Studie kann man weder die Rückbank noch die vorderen Sitze verstellen. Auch die umgeknickte Kopfstütze auf dem Beifahrersitz wird – aus Sicherheitsgründen – so niemals Realität. „Sie erleichtert aber die Kommunikation im Wagen, wenn der Beifahrer mit den Menschen hinter sich sprechen möchte“, erläutert Geidobler.

iNext als Ideensammlung

Den BMW iNext verstehen die Designer nicht als konkrete Vorlage für das Auto von morgen. Es ist eher eine Vision und ein Ausprobieren der Möglichkeiten. Welche Ideen und vor allem, wann diese auf die Straße rollen, ist erst mal zweitrangig.

Keine B-Säule: Leichtes Einsteigen in den iNext von BMW
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Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzelle, Heimspeicherbatterie, Schnellladen, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Genau darum dreht es sich in meinen Videos. Der Journalist ist stets auf der Suche nach den besten Ideen für Mobilität von Morgen.

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