Ich teste das Model 3 von Tesla in Kalifornien

Das Model 3 von Tesla erwarten wir erst Anfang 2019 in größerer Stückzahl in Europa. Darum habe ich die Gelegenheit ergriffen, und bei meinem Aufenthalt in Kalifornien ein Model 3 gemietet. Über die App Turo mietet man von Privatleuten alle möglichen Modelle. Im Silicon Valley hatte ich sogar die Auswahl zwischen diversen Tesla Model 3. Christopher wohnt in der Nähe meines Hotels und so mietete ich den schwarzen, nagelneuen Wagen bei ihm. Das Model 3 hat bei der Übergabe gerade mal 156 Meilen auf dem Zähler. Das Elektroauto ist erst im Sommer 2018 vom Band in Fremont gerollt. Kaufpreis: rund 60.000 Dollar.

Wischen und Tippen

Tesla Model 3
Tesla Model 3 von Christopher, geliehen über die App Turo

Die ersten Einstellungen auf dem Bildschirm in der Mitte sind etwas schwierig. Bis man im Menü die Außenspiegel gefunden hat, dauert es ein wenig. Gut, das muss man nur einmal machen. Danach werden Sitzposition und Spiegel in Fahrer-Profilen gesichert. Der Vorteil des mittigen Bildschirms: Der Innenraum ist extrem übersichtlich. Keine Knöpfe. Der Nachteil: Man muss selbst zum Öffnen des Handschuhfachs ins Menü einsteigen und dort den passenden Eintrag finden. Um es etwas zu erleichtern, sind die wichtigsten Dinge auf dem linken Drittel des Bildschirms gebündelt: Tempo, Restreichweite, Scheibenwischer etc. Die Wiedergabelautstärke als auch den Abstand zum Vorausfahrenden kann man über Drehknöpfe im Lenkrad anpassen. In den USA finde ich nicht mal einen Knopf für die Warnblinker im Armaturenbrett.

Die Schlüsselkarte

Der Wagen wird entweder per Smartphone-App oder einer Schlüsselkarte im Format einer Kreditkarte aufgeschlossen. Die Karte hält man außen an eine Kamera in der B-Säule. Dann entriegeln die Türen. An den Türgriff muss man sich auch erst gewöhnen, denn erst drückt man, dann zieht man, um die Tür zu öffnen. Das habe ich aber schnell raus. Die Karte muss dann zum Starten auf der Mittelkonsole liegen. Fährt das Model 3 kann man die Karte an einen besseren Ort legen. Auf der glatten Oberfläche rutscht sie in Kurven runter und verschwindet unter einem Sitz.

Das Model 3 hört auf´s Wort

Man muss aber nicht bei allen Einstellungen im Fahrzeug auf dem Bildschirm Wischen und Tippen. Das Model 3 versteht seine Nutzer. Zumindest bei der Musikauswahl. Man sagt dem Wagen einfach, was man hören möchte. Funktioniert bei mir ganz hervorragend. Genauso wie der Autopilot. Gut, der Name ist ein wenig übertrieben. Nüchtern betrachtet ist es eine adaptive Geschwindigkeitskontrolle. Also ein Tempomat, der Abstand zum Vorausfahrenden hält. Das Ganze ist kombiniert mit einem Spurhalteassistenten. Nicht mehr, nicht weniger.

Model 3 Schlüsselkarte von Tesla
Mit der Schlüsselkarte öffnet man das Model 3

Fahren mit „Autopilot“

Die Aktivierung erfolgt über den Wahlhebel rechts vom Lenkrad. Erkennen die Sensoren die Fahrbahn und ihre Umgebung, färben sich das Lenkrad und die Fahrbahnränder im Bildschirm blau. Der Wagen fährt nun allein. Alle paar Minuten muss man die Hände ans Lenkrad legen. Stellt das System keinen Widerstand am Lenkrad fest, wird der Autopilot nach einigen akustischen und optischen Warnungen abgestellt. Und zwar für den Rest dieser Fahrt! Erst wenn man den Wagen abstellt bzw. aus macht, kann der Autopilot wieder aktiviert werden. Harte Erziehungsmaßnahme. Aber vermutlich notwendig, wenn man an die diversen Unfälle mit dem Autopiloten in Teslas denkt. Kein anderer Autohersteller hat die Level 2.x-Autonomie bislang so aggressiv als „Autopilot“ verkauft wie die Amerikaner.

Das Problem: Erkennen die Sensoren die Fahrbahnmarkierungen nicht mehr, schaltet der Autopilot sofort ab. Es gibt keine Vorwarnung und auch keine Übergangszeit, die dem Fahrer bleibt, um die Kontrolle zu übernehmen. Er muss sofort eingreifen. Somit sollten bei der Fahrt mit dem Autopiloten die Augen auf der Straße und die Hände in Lenkrad-Nähe bleiben.

Autopilot im Tesla Model 3
Aktivierter Autopilot und Anzeige der Supercharger-Belegung auf dem Bildschirm

Fazit

Bei meiner Fahrt durch das Silicon Valley und entlang des Pazifiks auf dem Highway One hat der Autopilot anstandslos funktioniert. Nur einmal an einer Kreuzung in den Bergen, war er etwas hilflos. Ich habe mich schnell an die Steuerung über den zentralen Bildschirm gewöhnt. Besonders gut gefallen hat mir das Lüftungssystem mit dem Lufteinlass, der über die gesamte Breite geht. Das Model 3 bietet für vier Erwachsene ausreichend Platz. Hinten ist genug Kopffreiheit und das Glasdach vermittelt ein Gefühl von Raum und Weite. Der Kofferraum hat eine relativ kleine Öffnung, ist aber mit 425 Litern Volumen ausreichend groß. Bei meinen Neuwagen habe ich keinerlei Verarbeitungsmängel festgestellt. Ich finde das Model 3 extrem gelungen und freue mich auf meine erste Fahrt in Deutschland.

Tesla Model 3 Kofferraum
Der Kofferraum fasst 425 Liter im Model 3 von Tesla

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzelle, Heimspeicherbatterie, Schnellladen, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Genau darum dreht es sich in meinen Videos. Der Journalist ist stets auf der Suche nach den besten Ideen für Mobilität von Morgen.

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