Schneller zum freien Parkplatz mit ParkandJoy

Die Suche nach einem freien Parkplatz nervt. Verkehrsexperten schätzen, dass Autofahrer in Großstädten regelmäßig bis zu 20 Minuten ihre Runden drehen, bevor sie ihr Auto abstellen können. 20 Minuten Lärm und Abgase, die sich vermeiden ließen. Das hat sich auch T-Systems, eine Tochter der Telekom gedacht und die App Park and Joy (iOS / Android) entwickelt. Die zeigt Autofahrern, wo die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, einen legalen, kostenpflichtigen Parkplatz zu finden.

Die Kristallkugel für den freien Parkplatz

Das Pilotprojekt ist im Hamburger Stadtteil Wandsbek gestartet und wird nun auf das gesamte Innenstadtgebiet ausgeweitet. Für die Vorhersage nutzt T-Systems Daten aus verschiedenen Quellen. Dazu gehören unter anderem Parkautomaten, Parkhäuser, ins Mobilfunknetz eingeloggte Smartphones, historische Verkehrsdaten als auch Angaben zu Beeinträchtigungen durch Veranstaltungen und Wochenmärkte. Die Vorhersagewahrscheinlichkeit für einen freien Parkplatz liegt mit diesen Daten bereits bei rund 80 Prozent. „Doch wir wollen auf bis zu 96 Prozent kommen„, sagt Oliver Stumm, Projektmanager bei der T-Systems Multimedia Solutions GmbH.

Sensor: Infrarot und Magnetfeld

Um das zu erreichen, hat das Unternehmen 100 Sensoren in Parkplätzen im Stadtteil Wandsbek versenkt. Die batteriebetriebenen Geräte senden einen infraroten Lichtstrahl aus, der vom Unterboden eines Autos reflektiert wird. Über die Lichtreflektion kann T-Systems errechnen, ob auf dem Parkplatz ein Auto, Laub, Schnee oder gar nichts liegt. Zusätzlich erzeugt der Sensor ein schwaches Magnetfeld, dass bis zu 40 cm nach oben wirkt. Verändert der Unterboden eines Fahrzeugs das Magnetfeld, wird der Parkplatz als besetzt markiert. Mit der Kombination beider Messwerte lässt sich für die IT-Experten sehr genau berechnen, welche Parkplätze frei und welche belegt sind. Die Daten werden über das Narrowband-IoT im Mobilfunknetz der Telekom an die Server übertragen. Das Narrowband ist eine Frequenz für Geräte (Internet of Things), die wenig Bandbreite als auch wenig Energie benötigt. Die Batterien in den Sensoren halten acht bis zehn Jahre.

Sensor für einen Parkplatz - ParkandJoy
100 dieser Sensoren wurden in Hamburg-Wandsbek in Parkplätze eingelassen

Parkticket per App bezahlen – auch verlängern und verkürzen

Bis 2019 will T-System bis zu 10.000 Sensoren im Hamburger Innenstadtgebiet installieren. „Dabei führt die App den Autofahrer nicht zu einem einzelnen Parkplatz„, sagt Stumm. Die Vorhersagewahrscheinlichkeit wird immer für ganze Straßenzüge bzw. Parkstreifen getroffen. Besonders praktisch an Park and Joy ist, dass man mit der App auch gleich sein Parktticket bezahlen kann. Der Gang zum Automaten als auch die Suche nach Kleingeld entfallen. Das ist enorm praktisch, wenn man aus der Ferne noch mal seine Parkzeit verlängern möchte. Da spart man sich den Weg zurück zum Automaten. Geht es mal bei einem Termin schneller, kann man das Ticket auch stornieren und bezahlt nur die effektive Parkzeit.

Vignette an der Scheibe

Damit Parkraum-Kontrolleure erkennen, dass man ein Parkticket gelöst hat, legt man eine gelbe Vignette hinter die Frontscheibe. Die gibt es über meinen Link, in der App oder als selbstklebende Variante in allen T-Punkten der Telekom. Der Kontrolleur kann dann über das Auto-Kennzeichen, welches man in der App hinterlegt, überprüfen, ob ein Ticket gelöst wurde.

Park and Joy ist Teil der Initiative Smartparking. Auf deren Webseite sieht man die diversen Parkplatz-Such-und-Finde-Anbieter und in welchen Städten sie aktiv sind. Die gelbe Vignette gilt für alle dort aufgeführten Systeme. Praktisch für Menschen, die oft mit dem Auto in unterschiedlichen Städten unterwegs sind.

Premium-Dienste der Telekom geplant

Die Anwendung der Telekom ist auch ein Leuchtturmprojekt mit Blick auf den ITS-Weltkongress 2021 in der Hansestadt. Dort werden Intelligent Transport Systems präsentiert. Auf lange Sicht will die Telekom kostenpflichtige Premium-Dienste in Park and Joy anbieten. Als erstes kommt einem die Parkplatz-Reservierung in den Sinn, doch das funktioniert nur, wenn es eine Zugangssperre (Schranke o.Ä.) gibt. Da werden sich die Autofahrer also überraschen lassen, was sich das Unternehmen ausdenkt. Noch ist Park and Joy kostenlos, man bezahlt nur die Gebühr für den Parkschein. Das Parkplatz-Finde-System wird nach Hamburg von der Telekom auch in Bonn, Darmstadt, Dortmund, Duisburg, Hagen, Moers und Oberhausen ausgerollt. Das Unternehmen plant bereits einen europaweiten Einsatz.

Sensor im Boden - Parkplatz finden mit ParkandJoy
Per Magnetfeld und infrarotem Licht stellt der Sensor fest, ob über ihm ein Auto parkt

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzelle, Heimspeicherbatterie, Schnellladen, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Genau darum dreht es sich in meinen Videos. Der Journalist ist stets auf der Suche nach den besten Ideen für Mobilität von Morgen.

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